Die PreisträgerInnen


Jurypreis

(7) Days in Love

Jurybegründung

"...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..."
Brandon Viardos Film hat uns mit seiner charmanten, selbstironischen Zugangsweise zur Magie des Verliebens euphorisiert. Der Regisseur vertraut seinen Protagonist_innen, die sich beim Improvisieren der Dialoge ebenso langsam vortasten wie beim Kennenlernen. Alle Widersprüchlichkeiten, alle Unsicherheiten der Charaktere fügen sich zu einer lebendigen Begegnung. Der Film hat Struktur und Rhythmus; er atmet und pulsiert. Und er ist vergnüglich.


Jurypreis

(Jugend) Leben

Jurybegründung

"(Jugend) Leben" hat durch seine freche Machart überzeugt.
Der Mut zum Chaos, der Schnitt und der spielerische Umgang mit Kamera und Musik zeugen von einer eigenen Handschrift, die Leidenschaft und Liebe zum Filmemachen beweist. Die Bereitschaft das Drehbuch am Set anzupassen spricht für die kreative Arbeitsweise der Regisseurin. Sie erzählt von sich und ihrer Welt und zeigt dabei vielschichtige Rollenbilder; speziell bei den weiblichen Charakteren. Die Jury war beeindruckt von der punkigen Herangehensweise, dem Ignorieren von Konventionen und dem Einsatz der Musik, die den Spaß am Spiel und dem Medium an sich verdeutlichen.


Jurypreis

Das Fest fürs Leben

Jurybegründung

Festivalhopping im Weinviertel
Ein bisschen länger noch möchte Sophie Sarah ins Gespräch verwickeln, jede Sekunde auskosten, bis der Shuttlebus kommt, der sie spätnachts am Straßenrand irgendwo in der Pampa aufsammeln wird. Da ist auch der anhaltende Sommerregen egal. Unter anspruchsvollen Drehbedingungen haben sich die beiden jungen Schauspielerinnen mit dem Regisseur nicht nur in der Schlüsselszene des Films ohne streng gescriptetes Drehbuch auf ein gewagtes Improvisationsexperiment eingelassen. Der Film besticht als Momentaufnahme einer Begegnung, die eine Liebesgeschichte werden könnte, und eröffnet authentische Einblicke in eine Jugendszene. Auch wenn es technisch noch viel zu feilen gäbe, zeichnet sich die Regie durch besonderen Mut aus, gestalterische und dramaturgische Risiken einzugehen und die Erzählung über Zeitsprünge und Rückblenden zu entwickeln.


Jurypreis

Das stumme Leiden

Jurybegründung

Eine kraftvolle Gefühlswelt
Es ist ein mutiger Film, der Gefühle stimmig in Bildern zum Ausdruck bringt und es schafft starke Emotionen zu transportieren. Wir erhalten einen Blick ins Innere einer Gefühlswelt, die schöner und kraftvoller nicht gezeichnet sein könnte. Das Zusammenspiel von Zeichnungen und Analogfilmaufnahmen, die Animation und das Sounddesign sind perfekt aufeinander abgestimmt. Die junge Filmemacherin überzeugt die Jury mit einer authentischen, künstlerischen Arbeit und lässt schon jetzt eine ganz eigene Handschrift erkennen.


Jurypreis

Der unfertige Mann

Jurybegründung

Alltag in einer Flüchtlingsunterkunft
Eine Gruppe von Bewohnern hat Spaß daran den Außenseiter zu hänseln. Er beugt sich dem ausgeübten Zwang und lässt sich beschneiden. Symbolhaft lässt er einen Teil seiner Selbst zurück, um anderswo dazuzugehören. Eine Diskriminierung können Flüchtlinge doppelt erfahren: Nicht nur von „Außen“ von der Gesellschaft im Allgemeinen, sondern auch untereinander im Zusammenleben. Bagher Ahmadis Regiearbeit „Der unfertige Mann“, in welcher er auch den Part des Außenseiters spielt, überzeugt mit einem klaren filmischen Erzählwillen, einer überraschenden, fast tragikomischen narrativen Wendung und einem Ende, das mehr Fragen aufwirft, als einfache Antworten bietet.


Jurypreis

Ein Tag am Badessee

Jurybegründung

Eine bunte Welt mit Atmosphäre
Alba Rieder Clavijo schafft es in knapp zweieinhalb Minuten eine ganze Welt zu entwerfen und mit Atmosphäre zu füllen. Das Drehbuch schreibt sie im Kopf und setzt es dann samt einfallsreicher Spezialeffekte um. Dazu gehört auch das Einsprechen sämtlicher Stimmen der Filmfiguren, denen sie glaubhaft ihre unterschiedlichen Charaktere einhaucht. Die kurze Erzählung von einem Badeausflug mit Sonnencreme, Luftmatratze und Spielen im Wasser verdichtet sie gekonnt, so dass man meint förmlich die Sonne auf der Haut zu spüren.


Jurypreis

Grow

Jurybegründung

Richtige Entscheidungen
Wir sind beeindruckt von der Umsetzung widersprüchlicher Gefühle in derart visuell treffenden Bildern und der geglückten Darstellung innerer Konflikte. Die Filmemacher_innen haben sich dabei auf ausdrucksvolles Spiel und Bildsprache verlassen und auf Dialog verzichtet und damit, unserer Meinung nach, die richtige Entscheidung getroffen. Den Film zeichnet auch der sehr durchdachte Umgang mit Symbolen aus. Form und Inhalt gehen Hand in Hand. Hervorheben möchten wir auch die einfallsreiche Kadrierung einzelner Szenen, sowie die Übergänge zwischen Realität und gedanklicher Welt.


Jurypreis

Halt die Klappe

Jurybegründung

Während den fünfeinhalb Minuten führt uns die Filmemacherin auf verschiedene Fährten, verwischt dabei gekonnt ihre Spuren und lässt uns immer wieder mit der Ahnung zurück „Irgendwas stimmt hier überhaupt nicht“. Mit gut eingesetzten filmischen Mitteln wie Splitscreen, extremen Nahaufnahmen, Pausen in der Inszenierung und Montage gelingt es ihr eine absurde und unbehagliche Stimmung zu erzeugen. Mit einem sehr gut besetztem Ensemble und einem minimalistisch, großartig spielenden Mädchen stolpert man als Zuschauer_in von einem Lacher in die nächste Verwirrung. Bis uns am Ende mit der überraschenden Pointe das Lachen im Hals stecken bleibt. Vor dem inneren Auge spult sich der Film dann ein zweites Mal ab und plötzlich verwandeln sich die verwirrenden Momente zu beschämenden Erkenntnissen über unsere heutige Gesellschaft.


Jurypreis

Ignoranz

Jurybegründung

Wir wollen einen Film auszeichnen, der viel will, der aus dem Rahmen fällt, auf seine Gemachtheit hinweist und Dramatik nicht scheut. „Ignoranz" von Denis Kurtanovic hat uns überrascht. Hier ist ein junger Filmemacher am Werk, der die Zeit in der er lebt in seine Arbeit mit einfließen lässt. Versatzstücke aus der Popkultur und Filmgeschichte werden, bewusst oder unbewusst, jedenfalls mit leichter Hand montiert. Diese eigenwillige Filmsprache besticht. Nicht zuletzt durch jugendlichen Pathos, der sich selbst nicht ganz ernst nehmen kann und so zu Humor wird.


Jurypreis

Kunst und Überleben

Jurybegründung

Es gibt keinen Plan B
Wer der eigenen Intuition und der eigenen Kreativität folgen möchte und die Kunst zum Lebensinhalt macht, braucht Kraft und Mut. Wir erleben vier starke Protagonist_innen, die ihren eigenen Weg eingeschlagen haben und mit ihrer Leidenschaft für das, was sie tun, das Publikum in ihren Bann ziehen. Die Filmemacherin mit ihrem Team folgt diesen vier Menschen mit großer Sensibilität, sie gibt ihnen Raum und Zeit sich zu öffnen und vertraut auf die Stärke ihrer Figuren. Wenn Menschen vor der Kamera Wahrhaftigkeit ausstrahlen, so haben die Filmemacher_innen etwas richtig gemacht. Am Ende des Films finden die unterschiedlichen Persönlichkeiten in einer gelungenen Montage zueinander und werden zu einer gemeinsamen starken Stimme für die Kunst.


Jurypreis

Lebendigkeit

Jurybegründung

Kunst als Konfrontation
“Lebendigkeit” von Anita Hammer ist eine existenzielle Befragung des Selbst von der ersten Sekunde des Videos bis zum liebevoll gestalteten Abspann. Mehrere Elemente wie Zeichnung, Schrift, Ton, Sprache und Bilder werden zu einer komplexen Collage zusammengeführt, die das innere Ringen der Filmemacherin in eindringlicher Form vermitteln. Das Sujet des fließenden Wassers hält die Befragung des Selbst im Fluss, klare Antworten entrinnen ständig. Besonders hervorzuheben ist die konsequente Eigenständigkeit der jungen Filmemacherin in der visuellen Gestaltung.


Jurypreis

Oaschloch

Jurybegründung

Unausgesprochen liebevoll
Durch zärtliche Zwischentöne trifft dieser Film mitten ins Herz und verwehrt sich zugleich jeglicher Sentimentalität. In einer von Trauer zerrissenen Familie wird jene Liebe sichtbar, für die die Figuren keine Worte haben. Drehbuch, Inszenierung und Schauspiel verwandeln unsagbar Menschliches in präzises Kino. Für die berührende und zugleich witzige Aufbereitung eines dunklen Themas, den sinnlichen Einsatz eines umschlingenden Streitobjekts, die gekonnt geworfenen Speere auf möglichen Kitsch und die Leistung, in knapp 10 Minuten ein krisengeschütteltes Familienporträt auf feinste Weise darzustellen, verleiht die Jury einen Preis an Oaschloch.


Publikumspreis

Papa

Jurybegründung


Jurypreis

Step by Step

Jurybegründung

Eine schöne Geschichte über das Teilen
Yousef, ein kleiner Junge hat neue coole Schuhe. Er hütet sie sorgsam, dennoch werden sie gestohlen. Schließlich findet Yousef den Dieb. Was mit Misstrauen und Rivalität beginnt, entwickelt sich zu gegenseitigem Verständnis und Gemeinsamkeit. Der Film ist eine schöne Geschichte über das Teilen. Mit atmosphärischen Bildern gelingt es dem Filmemacher ein großes Thema in einen kurzen Film zu verpacken. Eine klare Erzählung, in der das Wesentliche sichtbar wird: Respekt, Vertrauen, gegenseitiges Verständnis, Empathie und Gemeinsamkeit. Dies symbolisiert sich in einer sehr schön gefilmten, dynamischen Szene in der die beiden Jungen zusammen Fußball spielen und jeder einen der coolen Schuhe trägt.


Jurypreis

Stille Nähe

Jurybegründung

Der 19-jährige Anselm Eitelbös konfrontiert uns in seiner kompakten Komödie mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten. Er spielt mit Rollenbildern und Erwartungen und nimmt sich dabei selbst nicht heraus. Ein fast schon elegisch anmutender Kurzfilm, der auf Überbelichtungen und perfekten Ton pfeift. Der Abspann dauert eine Minute, ein Fünftel der Filmlänge. Der Filmemacher steht auf Mathematik, erzählt er beim Publikumsgespräch, und das überträgt sich in die Montage. Mehr soll hierzu nicht verraten werden. Doch eines ist klar: Wir wollen mehr davon!


Jurypreis

Und das Uhrwerk dreht sich weiter

Jurybegründung

Keep on running im Hamsterrad
Der Film zeugt von einem professionellen und kreativem Ineinandergreifen aller Departments: Regie, Kamera, Schauspiel, Schnitt, Musik, Ausstattung. Der körperliche Zerfall der Hauptfigur und damit ihr Austritt aus dem funktionellen Muster werden eindrucksvoll geschildert. Der kritische Geist der Filmemacher_innen findet sich in jedem Aspekt des Films. Das Gefühl der Isolation, des Gefangenseins in Routine und das Fehlen jeglicher Freiheit werden mit gut gewähltem Understatement präsentiert. Der Film kommt ohne Dialog aus –da es in der erzählten Welt keine Kommunikation (mehr) gibt. Wir sind von der Eigenständigkeit des Projekts begeistert, die von der Bildsprache und den Effekten bis hin zu eigens kreierten Postern und komponierter Musik reicht.